Das langsame Sterben kommerzieller Trägermedien und die Folgen (Teil 1)

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Über die Folgen der fortschreitenden Digitalisierung analoger Medien wurde schon viel geschrieben und noch viel mehr diskutiert. Auch zum nächsten Schritt, der gänzlichen Lossagung vom kaufbaren Trägermedium (CD, Buch, BluRay, ect.) hin zur kaufbaren Datei, haben sich viele Fachleute aus allen möglichen Bereichen die Köpfe in so manchen schlaflosen Nächten zerbrochen. Die Gründe für den neuen digitalen Weg liegen in den meisten Fällen ganz einfach beim Geld – keine Lagerkosten, keine zusätzlichen Vertriebswege, keine Zwischenhändler, und damit letztendlich weniger Arbeitslöhne. Mit der von Jahr zu Jahr steigenden Geschwindigkeit der Datenübertragung ist mittlerweile aber noch ein anderer Faktor wichtig geworden: der Wunsch des ungeduldigen Konsumenten nach unmittelbarer Befriedigung. Zu warten, sich geduldig zu zeigen, sich auf etwas zu freuen scheinen Tugenden zu sein, die langsam aber sicher in den Hintergrund rücken.

1982 beispielsweise wurde das Ende der guten alten LP und der Kassetten durch die Markteinführung der modernen, digitalen CD ausgerufen. Es sollte nicht lange dauern, bis die nun digitalisierte Musik auch als reine Audio-Datei im Internet erworben werden konnte – heute ist es so, dass manche Bands ihre Songs ausschliesslich im Netz verkaufen.

Oder das Ebook, das Verlage als profitables Produktekind des 21. Jahrhunderts betrachten, obwohl der erste elektronisch veröffentlichte Roman (passend: „Mona Lisa Overdrive“ von Cyberpunk-Übervater William Gibson) schon 1988 das Licht der Welt erblickte und die Angst vor einem apokalyptischen Sterben des gedruckten Buchs in die Köpfe mancher besorgter Literaturfans setzte. Wie es einige Musikbands vormachten, spielen heutzutage immer mehr Autoren (oder Verlage – so richtig klar wird das nicht kommuniziert), mit dem Gedanken, nur noch online zu veröffentlichen. Noch ist das gedruckte Buch, respektive das damit verbundene haptische Erlebnis, zu mächtig, als dass Printversionen verschwinden könnten.

Im Filmbereich löste die DVD 1995 die altmodische, aber äusserst sympathische VHS-Videokassette ab, und fand damit Eintritt ins goldene PC-Zeitalter. Nicht lange nach Einführung der DVD wurden die Datenmengen des Masteringprozesses immer grösser, die Qualität damit besser, und es folgte nach einem kleinen Gefecht zwischen verschiedenen Anwertern auf den Medien-Thron zu guter Letzt die BluRay. Und wie schon bei Musik und Literatur sind wir nun an einem Punkt angelangt, an dem viele Filme bzw. TV-Serien nur noch online erworben bzw. angeschaut werden können. Streaming lautet das (nicht mehr ganz so) neue Zauberwort des 21. Jahrhunderts.

Ebenfalls mit im Bunde sind meiner Meinung nach Spiele. Das gute alte Brettspiel (oder auch Gesellschaftsspiel) ist zwar nicht verschwunden und wird dies in absehbarer Zeit auch kaum tun, aber in Form von Konsolen- und PC-Spielen fand trotzdem eine erstaunlich vielfältige Evolution hin zum Digitalen statt. In der bunten Welt der elektronischen Spiele wurden die Daten einst auf steckbaren Kassetten, Tapes, Disketten, danach CD’s, DVD’s und BluRay’s gespeichert. Heute kauft kaum einer mehr seine Spiele auf einem Medium – wie auch bei Filmen, Büchern und Musik kann dies mittels des omnipräsenten Internets in Minutenschnelle bequem vom Sofa oder Bürostuhl aus erledigt werden.

Aber auf was will ich nach dieser etwas lange geratenen Einleitung eigentlich hinaus? Darauf werde ich demnächst in Teil 2 kommen.

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