Na also, es geht doch – ‚The Joker‘

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Ich mag Comics. So einfach ist das. Was ich meistens nicht mag, sind Comicverfilmungen in den beliebten Superheldenuniversen von Marvel und DC. Bevor ich nun auf den aktuell im Kino laufenden ‚Joker‘ eingehen werde, ein paar Worte dazu, weshalb ich mit besagten Verfilmungen oftmals hadere, sie zuweilen sogar als beleidigend empfinde (Ausnahmen gibt es, und die sind dann auch gelungen). Das im Folgenden Geschriebene widerspiegelt allein meine Meinung, soll nicht als letzte und allgemeingültige Wahrheit betrachtet werden. Ich möchte keinem Fan auf den Schlips treten, aber ich fordere jeden heraus, seine Lieblinge einmal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Auch besteht kein Anspruch auf irgendeine Art von Vollständigkeit, denn über das Thema „Helden“ bzw. „Superhelden“ und ihre Erscheinungsformen in Kunst und Kultur könnte man problemlos mehrere Bücher füllen. Also los, packen wir die Sache an!

In beiden Erscheinungsformen (Comic und Film) geht es beim Thema Superhelden um Machtfantasien und Eskapismus, entweder zum Zweck der reinen Unterhaltung und weils Spaß macht oder als tatsächliche Realitätsflucht. Die Schwierigkeiten, die ich damit habe, liegen nicht beim Inhalt, sondern wie diesem Gestalt verliehen wird. Schon allein ihrer Form wegen weisen Comics eine klar ersichtliche Distanz zum realen Leben auf, dürfen daher auch mal absurd, ja sogar over the top sein und funktionieren trotzdem in ihren Aussagen ohne jemals belehrend zu wirken. Zwischen den rechteckigen Kästen mit ihren statischen, bunten Bildern existiert genügend Freiraum, in den der Leser seine eigenen Überlegungen zur erzählten Geschichte hineinprojizieren kann. Demgegenüber versuchen die Verfilmungen oft krampfhaft Gewinn daraus zu schlagen, dass sie dem Zuschauer suggerieren, die Handlung spiele in unserer tatsächlichen Welt. Eine durchdachte, in sich schlüssige Geschichte wird einer scheinheiligen und einfältigen Moralpredigt untergeordnet, die über soziale Missstände, furchtbare Kriege, Umweltzerstörung und natürlich auch Rassismus informieren will, und das im andauernden Kontrast zu den properen Superhelden in ihren auf Hochglanz polierten, hautengen Kostümen. Irritierend dabei ist, dass besagte formbetonende Kostümierung die weiblichen Superhelden (z.B. Wonder Woman oder Catwoman) in aller Regel als reine Fickfantasie darstellt. Wo bleibt da die Moral? Bei all dem wird das Geschehen mit einem bombastischen orchestralen Soundtrack und der omnipräsenten amerikanischen Flagge im Hintergrund des Bildes bis zum Erbrechen überbetont (besonders penetrant in Sam Raimis ‚Spiderman‘). Die Komplexität schwieriger Themen und das Denkvermögen des Zuschauers werden einfach ignoriert, jede Subtilität in die Tonne gekehrt. Daraus entsteht dann ein lächerlicher Pathos, dessen Ernst und angebliche Wichtigkeit mit der in Hollywood so beliebten Holzhammermethode in die Schädel der Zuschauer geprügelt wird. Dadurch entstehen in meinen Augen vor allem drei Dinge: Oberflächlichkeit, Lächerlichkeit und schließlich gähnende Langeweile.

Zu all dem gesellt sich eine simple schwarz-weiße Mentalität. Wenn man schon Aussagen zu schwerwiegenden Themen macht, dann braucht es Perspektiven und Kontraste, die dem Zuschauer ermöglichen, eigene Denkprozesse zu starten und mit den Informationen zu spielen. Jeder liebt das Spiel mit LEGO-Steinen … was findet ihr besser: ein LEGO-Modell aus hundert oder aus zwei Steinen? Superheldenfilme sind in ihrem Kern sehr oft simpelste LEGO-Modelle mit eben nur zwei Steinen. Es gibt den scheinbar guten Weg der Helden und den bösen der bärbeißigen, stets schlechtgelaunten Miesepeter – und dass die Guten am Ende auftrumpfen werden ist meist auch schon von Beginn an klar. In die selbe eindimensional gestrickte Kerbe schlägt der Entstehungsmythos von Helden und schlimmen Fingern. Die Guten bekommen eine Dosis Radioaktivität im Lutschbonbon serviert und werden über Nacht heilig gesprochen; bei den Bösen löst sich ein Nierenstein, der beim Pipi so richtig weh tut. Das macht sie dann so sauer, dass sie ihre Gesinnung wie einen alten Handschuh umdrehen und sogleich die Ermordung der Welt planen. Hin und wieder bekommen wir wenigstens Antihelden wie Batman, Wolverine oder den Punisher serviert, die mit ihrer persönlichen dunklen Seite im ständigen Kampf liegen, und siehe da, es wird schon interessanter weil vielschichtiger und nicht ganz so vorhersehbar.

Um die oben genannten Schwierigkeiten zu umgehen, gibt es eine grandiose Fähigkeit des Menschen: Selbstironie. Sobald Pathos, übertrieben große Gesten und moralisches Gehabe verulkt werden, eröffnen sich gänzlich neue Perspektiven, die einem Film (oder auch einem Buch oder Comic) eine komplett neue Dimension hinzufügen. Die Brechung von ausuferndem Ernst durch Humor erzeugt, so paradox das auch klingt, eine größere Glaubwürdigkeit von Figuren und Themen. Es liegt ganz einfach in der Natur der Dinge, dass auch im größten Schrecken noch etwas komisches steckt. Marvel hat das mit ‚Guardian of the Galaxy 1‘ und ‚Thor 3‘ bestens bewiesen. Die Charaktere dieser beiden Filme sind um so vieles ehrlicher und echter (daher auch greifbarer) als beispielsweise jene in ‚Avengers: Endgame‘, der in lächerlichem Pathos geradezu ertrinkt und einfach nur noch ermüdend lahm ist. Klar, gut gemacht ist ‚Endgame‘. Ein Feuerwerk an CGI-Effekten kann in der Tat für eine bunte Achterbahnfahrt sorgen. Aber wie das mit diesen Fahrten so ist … wenn sie vorbei sind, bleibt nichts zurück. Obwohl da mit großen Gesten die drohende Vernichtung der Menschheit angerührt wird, ist kein Fetzen Fleisch am Knochen.

Marvel und DC können auch anders, haben in der Vergangenheit mehrmals gezeigt, dass sie fähig sind, gute Geschichten zu erzählen, sowohl dramatische wie auch lustige. Nur sind das in meinen Augen nicht viele. Gerne erinnere ich mich an den ikonischen Actionkracher ‚The Punisher‘ von 1989 mit Dolph Lundgren in der Hauptrolle. ‚X-Men‘ berichtet in durchaus nachvollziehbarer Weise von den Problemen und dem Misstrauen zwischen Menschen und Mutanten. ‚Batman Begins‘ von Christopher Nolan erzählt die Geschichte vom Mann im Fledermauskostüm auf ein intensive, düstere Art, die einen vielschichtigen Antihelden präsentiert. Die schon erwähnten ‚Thor 3‘ und ‚Guardians of the Galaxy‘ sind in ihrem sympathischen Humor einsame Spitze. Aber das sind für mich auch schon alle Superheldenverfilmungen, die ich als wirklich hervorragend betrachte. Einige wie ‚Antman‘, ‚Logan‘, ‚Spider-Man: Into the Spider-Verse‘ (ein Animationsfilm), der erste ‚Avengers‘ und ‚Wonder Woman‘ sind fürs einmalige Anschauen ganz gut und unterhaltsam, obwohl zu guter Letzt nicht viel hängen bleibt. Über den Rest breite ich das rabenschwarze Tuch des Schweigens …

Aber was ist jetzt mit dem ‚Joker‘? Ums gleich vorweg zu sagen: Ich halte ihn für gut, ja sogar richtig großartig! Und das liegt an vielen Dingen. Vereinfacht gesagt macht er alles besser als die anderen Kinoerzeugnisse von Marvel und DC. Um das zu erklären, beginne ich am besten damit, welche Art von Geschichte erzählt wird. Es handelt sich um den Entstehungsmythos des titelgebenden Jokers (schmerzhaft intensiv gespielt von Joaquin Phoenix). Und schon hier zeigt sich, wie durchdacht das Drehbuch von Regisseur Todd Phillipps und Scott Silver geschrieben wurde. Anstelle dem Zuschauer einen Alibigrund wie einen alten Knochen hinzuwerfen, weshalb sich Arthur Fleck (so der weltliche Name des Jokers) vom Pfad der Tugend abwendet, wird klar gemacht, dass es ein banales Konzept wie Gut und Böse in diesem Film nicht gibt. Arthur ist seit seiner Kindheit schwer traumatisiert. Als Mittvierziger lebt er noch immer in der Wohnung seiner kranken Mutter, um die er sich kümmert. Einen Vater gibt es nicht, und so ist er es, der Geld verdienen muss, um mit seiner Mutter über die Runden zu kommen; ein unglücklicher Zustand, da Arthur ebenfalls alles andere als gesund ist. Er leidet daran, dass er oft komplett unpassend und an den falschen Stellen in ein manisches, gequältes, vor allem aber beängstigendes Lachen ausbricht. Diese verkörperte Auswirkung seiner traumatischen Kindheitserlebnisse zu sehen ist gleichzeitig peinlich, traurig und äußerst unangenehm. Irgendwo in diesen manischen Abgründen wurzelt auch seine Überzeugung, er habe Talent für große Comedy. So arbeitet er eher schlecht als recht bezahlt für eine schäbige Agentur, schwenkt als Clown verkleidet Werbeschilder auf der Straße oder unterhält Kinder im Spital. Ab und zu besucht er Comedyshows, notiert sich Witze und absolviert schon mal einen eigenen Auftritt in einem Club. Nur dass all diesen Tätigkeiten jede Leichtigkeit, Lebensfreude oder tatsächlicher Sinn für Humor fehlt. Hinter allem steckt ein schmerzhafter Zwang, den er selbst abends nicht ablegen kann. Denn dann schaut er sich regelmäßig gemeinsam mit seiner Mutter eine Fernsehshow des berühmten Talkmasters Murray Franklin (Robert De Niro) an, in dem Arthur eine Art Wunsch- oder Ersatzvater sieht.

Der zwar triste, aber doch einigermaßen geregelte Lauf des Lebens nimmt für Arthur und seine Mutter eine brutale Kehrtwende, als Arthur mit einer ausgeliehenen Pistole im Affekt einige finanziell sichtlich gut situierte Kerle in der U-Bahn erschießt, die eine junge Frau belästigen. Arthur in seiner Clownsmaske wird damit zum urbanen Rachemythos für die sozial Randständigen, was die allgemein angespannte Stimmung zwischen den gesellschaftlichen Klassen in Gotham City noch weiter anheizt. Im Zentrum all der Unzufriedenheit steht Thomas Wayne (Batmans Vater), der als reiches, unsympathisches Arschloch dargestellt wird. An diesem Punkt bricht Arthurs Welt, die ein ständiger Balanceakt zwischen Stabilität und Kollaps ist, vollends zusammen. Immer stärker wird er von seinen eigenen Ängsten, Zwängen und schließlich auch der Polizei vorwärtsgetrieben. Seine persönliche Sicht der Dinge und Wunschvorstellungen vermischen sich zunehmend mit real stattfindenden Geschehnissen – und das alles erzeugt einen grimmigen Abgrund, in dem sich auch der Zuschauer verliert. Was ist Realität? Was ist Arthurs Wunsch oder Wahn? Seine Handlungen werden immer unkontrollierter und gewalttätiger, eskalieren in einem Gewaltakt gegen seine Mutter, der ihn zu guter Letzt von ihren Fesseln befreit und es ihm erlaubt, sich neu zu erfinden. Wir erleben die Geburt des Jokers.

Die Entstehungsgeschichte des Jokers wird in einer städtischen Welt in Grau- und Brauntöten dargestellt, die mich ständig an Dramen und Krimis aus den 70er und frühen 80er Jahren (z.B. ‚Taxi Driver‘ von Martin Scorsese) erinnert, welche in den düsteren Ecken von New York spielen. Die Kamera guckt auf schmierige, richtig unangenehme Weise. Die Filmmusik erzeugt dazu eine permanente Anspannung, die nur selten gelockert wird und verspricht, dass jeden Moment etwas Schlimmes passieren wird. Sämtliche Menschen in dem Film wirken diffus, zuweilen verloren, so als lebten sie in dem Bereich zwischen Hammer und Amboss, wo man nur zerschlagen werden kann. Licht, Zuversicht oder wenigstens den Funken von Hoffnung gibt es in der Welt des Jokers nicht.

In der Vergangenheit habe ich zu diversen Comicverfilmungen gelesen, dass der Superheldenfilm endlich erwachsen geworden sei. Das war bei „Punisher“, „Batman Begins“ und „Logan“ eine etwas gewagte und nur zu Teilen wahre Aussage, wie ich finde. Aber auf „The Joker“ trifft die Feststellung das erste Mal wirklich zu. Auch wenn er ein richtig harter Brocken ist, kann ich den Film nur empfehlen!

Ein Hoch auf die Müllkäuze

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Was zur Hölle ist ein Müllkauz? Und woher stammt diese sonderbare Kreatur? Bestimmt nicht aus Zamonien, dem Märchen-Kontinent, in dem die Geschichten von Walter Moers spielen. Wo wir gerade bei Moers sind (ich schweife schon früh ab) … falls Du, lieber Leser, ihn noch nicht kennst, dann besorge dir seine Comics, die vom Leben und Leiden des kleinen Arschlochs oder dem Fönig handeln. Außerdem noch viel wichtiger, ja sogar als die heiligste Mission eines jeden beherzten Liebhabers der Phantastik, musst Du besagte zamonische Geschichten lesen, wie etwa „Rumo“, „Die 13,5 Leben des Käpt’n Blaubär“, „Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr“ und all die anderen. Ich selbst habe wegen der Worte, die ich soeben niederschrieb, eine Pause eingelegt um nach dem Buch „Der Schrecksenmeister“ zu greifen, das seit langem im Bücherregal harrt und sich nach einer Menschenhand sehnt, die seine Seiten liebevoll umblättert.

Zurück zu den Müllkäuzen. Es war weder das Werk der Evolution noch das eines Autors, welches diese Lebewesen in die Welt rief, sondern die zuweilen verblüffend spontane Kreativität von Kindern. Das erste Mal nämlich, als ich mit Freunden ganz bewusst eines jener Wesen erblickte, war in den weit zurückliegenden Anfangstagen meiner Schulzeit. In der Ortschaft, in der ich seit damals lebe, gab und gibt es in jeder Dekade zwei oder drei uralte Männer, die nichts mit der geregelten Müllentsorgung zu tun haben, aber trotzdem den lieben langen Tag an den Straßen, Wegen und (fast) geheimen Pfaden entlang pilgern, um die Ränder von Müll zu säubern. In unserer kindlichen Phantasie handelte es sich ausnahmslos um vor sich hinmurmelnde Sonderlinge mit Käfern in den struppigen Bärten und einem blinden Auge, die – wenn man gerade nicht hinsah – kleine Kinder mit Haut und Haar in ihre Mülltüte stopften, des Nachts kichernd durch die Ortschaft schlichen und grundsätzlich dafür verantwortlich waren, wenn Haustiere auf Nimmerwiedersehen verschwanden. Wir waren sicher, dass diese Greise in alten, zerfallenen Hütten im Herzen des Waldes lebten, in ihren feuchten, moosbewachsenen Kellern abgemagerte Hunde hielten und schon mal Katzen mit Steinen totschlugen, wenn ihnen langweilig war. Aus welchem Grund sie Straßenränder von zerbrochenen Flaschen, Zigarettenstummeln und Chipsverpackungen säuberten machte irgendwie keinen Sinn, befeuerte in unserer Vorstellung aber noch die finsteren Absichten, die jene offensichtlich wahnsinnigen Gestalten eben antrieben.

Wer aus meinem damaligen Freundeskreis diese Männer zum ersten Mal mit einem einzigen prägnanten Wort beschrieb, weiß ich nach über 35 Jahren auch nicht mehr, aber irgendwann war die Bezeichnung einfach da: die Müllkäuze. Lange dachte ich nicht mehr bewusst an sie. Als ich vor kurzem aber während eines Spaziergangs wieder einmal einem begegnete, kamen wir ins Gespräch und die Wahrheit (wie sollte es auch anders sein) gestaltete sich als so ganz anders als die wilden Spekulationen von einst. Und gleich vorweg: es leben keine Käfer im Bart eines Müllkauzes.

Im Grunde genommen zeigt sich hier ein Problem, über das gesellschaftlich viel zu wenig gesprochen wird: was macht man nach der Pension? Wenn man sein liebes Leben lang nur schuftet, sich nie Zeit nimmt um zu reflektieren und sich zu fragen, was man denn so anstellen will, wenn man plötzlich alle Zeit der Welt zur Verfügung hat, dann tauchen unter Umständen einige Schwierigkeiten auf. Da wäre der Mangel einer sinngebenden Tätigkeit, nach der wir uns (bewusst oder unbewusst) alle sehnen. Damit zusammenhängend bestehen weniger soziale Kontakte, zumal einem mit dem Älterwerden unabwendbar Freunde und Familienmitglieder wegsterben. Eine von außen kommende und regulierende Tagesstruktur, die dafür sorgt, dass man aktiv und damit Teil der Welt bleibt, fehlt komplett. Und hier kommt das Einsammeln von Müll ins Spiel. Auf so einfache und doch elegante Weise verbindet es all die oben genannten Schwierigkeiten. Man geht früh morgens aus dem Haus, bewegt sich, tut etwas Sinnvolles für die Umwelt, trifft hin und wieder Menschen, mit denen man einen Schwatz halten kann, und sorgt dafür, dass man Ablenkung und eine grundlegende Form von Zufriedenheit findet. Nur wird das leider selten erkannt und auch geschätzt, viel öfter geschieht es, dass Passanten belustigt die Augen verdrehen.

In diesem Sinne: ein Hoch auf die Müllkäuze, die unentgeltlich viel zur Sauberkeit der Straßen beitragen. Wenn Ihr mal einem in eurer Ortschaft begegnet, dann riskiert die Kontaktaufnahme. Vielleicht ergibt sich auch für euch ein interessantes Gespräch.

The Beastmaster zeigt noch immer Zähne

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In einem Rausch von Nostalgie erwarb ich kürzlich die Blu-Ray von „The Beastmaster“ (1982), einem Fantasyfilm, der in der Welle der Barbarenfilme der 1980er Jahre produziert wurde. Regie führte kein geringerer als Don Coscarelli, der sich zuvor mit „Phantasm“ (1979) und einiges später mit „Bubba Ho-Tep“ (2002) ins Herzen der Horrorfans filmte. „The Beastmaster“ aber stellt für mich persönlich seit meiner Jugend das Highlight in Coscarellis Schaffen dar. Nur wurde mir plötzlich bewusst, dass seit der letzten Sichtung des Films gut und gerne 25 Jahre vergangen waren. Wie war ich also gespannt, zumal ich in letzter Zeit des öfteren die unschöne Feststellung machen musste, dass nostalgische Verklärung oftmals ein Problem darstellt und frühere Lieblingsfilme plötzlich flach und in etwa so lahm wie ein altersschwacher, halbblinder Gaul daherstolpern. Um die Sache noch verworrener zu machen, gibt es aber auch die Fälle, in denen man einen vor Jahren gesehenen Film plötzlich als so viel tiefsinniger erachtet. Eine Band klingt inspirierter als noch vor 17 Jahren. Ein in der Jugend gelesenes Buch, das damals ganz unterhaltsam war, entpuppt sich zwei Dekaden später als inspirierender Meilenstein der Literatur. Warum nur verändert sich unsere Einschätzung ein und der selben Sache andauernd?

Grund hierfür ist (und das sollte niemanden überraschen), dass wir selbst uns im Laufe der Jahre verändern. Unsere sozialen Kontakte, unsere Freizeitbeschäftigungen sowie die Arbeit, persönliche Erlebnisse im In- und Ausland, Erfolge wie Misserfolge, traumatische Konflikte, Heirat, Kinder, der ungeliebte Militärdienst, Todesfälle und Krankheiten, der nicht immer tolle aber natürliche Prozess des Alterns … schlicht alles beeinflusst und verändert uns Tag für Tag. Natürlich fühlt sich das für uns nicht so an, weil unser Hirn aus unserem Leben und allen Geschehnissen (auch den zufälligen) eine Geschichte zimmert, die ein großes Narrativ (unsere Identität) zusammenhält. Nur dass es dieses Narrativ in einer festen, stets gleichbleibenden Form nicht gibt. Trotzdem ermöglicht diese Funktionsweise des Gehirns, dass wir Dingen einen Sinn verleihen können, dass wir das Konzept von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verstehen und fähig sind, über den Tellerrand zu blicken. Aber ich schweife ab und möchte nicht weiter auf dieses wirklich sehr komplexe, spannende Thema eingehen. Wer sich für Identitätsbildung interessiert, dem lege ich uneingeschränkt das Sachbuch „Und ich?“ von Paul Verhaeghe ans Herz. Es ist in vielerlei Hinsicht ein Augenöffner. Jetzt aber zurück zum Film. Disc einlegen. Starttaste drücken …

Was haben ein Adler, zwei diebische Frettchen und ein schwarzer Tiger (ein regulärer Tiger, der für die Dreharbeiten schwarz angepinselt wurde) gemeinsam? Richtig … sie sind die Freunde von Dar (Marc Singer), dem Herrn der Tiere oder eben Beastmaster. Er ist der unbekannte Sohn von König Zed, welcher einst sein Königreich von schwarzer Magie säubern wollte. Wenn das Gute den Besen schwingt, dann führt das dazu, dass das Böse die Zähne fletscht. Und so erleben wir, wie der garstige und ständig mies gelaunte Hohepriester Maax (Rip Torn) den alten König gefangen nehmen, blenden und in einen feuchten Kerker werfen lässt.

Dar indes wächst in einem idyllischen Bauerndorf auf, lernt während vieler Jahre den Umgang mit dem Schwert, posiert immer mal wieder mit muskulös geschwellter Brust und findet nebenbei heraus, dass er über eine spezielle Begabung verfügt: er kann mit Tieren kommunizieren. Als eines Tages die Juns, eine brutale Horde reitender Krieger, die mit Hohepriester Maax verbündet sind, das Dorf niederbrennt, macht sich Dar auf den steinigen Pfad der Rache. Nebst seinen tierischen Freunden trifft er auf die wunderschöne Tempelsklavin Kiri (Tanya Roberts), in die er sich verguckt, und er lernt den dunkelhäutigen Krieger Seth und den jungen Tal kennen, die ebenfalls eine gesalzene Rechnung mit dem Schlingel Maax offen haben.

Der alte König, auch nicht gerade ein Ausbund an Freundlichkeit, wird aus seiner langjährigen Gefangenschaft befreit. Das führt zu familiären Konflikten, bösen Worten und Beleidigungen unter der Gürtellinie. Und schließlich finden sich alle zum Finale in der Stadt des Königs ein, wo Maax zum Zeitvertreib immer mal wieder von einer Tempelpyramide kleine Kinder in ein Feuer wirft … was man eben so macht, wenn man sich mit schwarzer Magie befasst. Das alles rettet Maax aber nicht vor Dars Rache, er landet selber in den Flammen, und damit die Sache auch wirklich ein für alle Mal ausgestanden ist, wird den Juns, diesen reitenden Scheißkerlen, in einer beeindruckenden Schlacht ebenfalls der Garaus gemacht.

Um nicht lange um den heißen Brei herumzureden … ich liebe den Film mehr denn je. Ja, die Geschichte ist einfach gestrickt und nicht sonderlich kreativ. Ja, die Spezialeffekte sind billig und problemlos zu entlarven. Ja, es ist der alte Kampf zwischen Gut und Böse, in dem das Gute unbedingt gewinnen muss. Aber „The Beastmaster“ hat etwas, das vielen modernen Filmen fehlt: er hat ein Herz, und das ist so groß wie ein Wolkenkratzer. Der Held Dar, verströmt Charme, Mut und Schmiss, ist stark und tapfer, darf aber auch mal weinen. Seine Fähigkeit, mit Tieren zu kommunizieren, klingt wie ein naiver Kindertraum, passt aber zu Dar und seiner Aufrichtigkeit. Die Tempelsklavin Kiri ist zwar eine Augenweide und zeigt nackte Haut, trotzdem symbolisiert sie mehr als nur die Lust am Fleisch. Maax ist übertrieben böse, doch seine Absichten wirken echt und motiviert. „The Beastmaster“ funktioniert so gut, weil er unprätentiös ist und gar nicht erst versucht, mehr zu sein, als er ist. Seine Figuren sind im Kern allesamt Menschen mit menschlichen Bedürfnissen. Ich nehme ihnen ganz einfach ab, nach was sie sich sehnen und was sie erleben. Und das ist es, was so vielen Filmen und Büchern fehlt: Charaktere, denen man glaubt, ja sogar glauben will.

Von mir erhält „The Beastmaster“ das Gütesiegel. Wenn ihr den Film in eurer Kindheit oder Jugend mochtet, dann schaut ihn euch ruhig auch als erwachsene Person noch einmal an. Und wenn ihr ihn noch nicht kennt, dann gebt ihm eine Chance. Ich bin der Meinung, dass er es mehr als wert ist.

Neues Lesefutter von Clive Barker

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Es dauert stets lange, bis von Horror-Poet Clive Barker Lebenszeichen zu sehen bzw. zu lesen sind. Im vorliegenden Fall handelt es sich aber nicht etwa um eine neue Erzählung, sondern um die geplante Veröffentlichung zweier alter Novellen, die in einem Buch vereint sein werden: TORTURED SOULS (2001) und INFERNAL PARADE (2004). Die beiden Texte schrieb Barker zu zwei Serien von Action-Figuren, an denen er in kreativen und schöpferischen Belangen beteiligt war.

Inhaltsangabe (Quelle: Buchheim Verlag):
TORTURED SOULS erzählt von der legendären ersten Stadt Primordium, in der das uralte Wesen Agonistes seine Bittsteller durch Magie und Schmerzen einer bizarren, qualvollen Transformation unterzieht.
INFERNAL PARADE berichtet von dem verurteilten Verbrecher Tom Requiem, der die titelgebende Höllen-Parade zur mythischen Stadt Krantica anführt.
Elegant komponiert und witzig erzählt sind beide Geschichten typische Werke des visionären Künstlers und modernen Meisters Clive Barker.

Das Buch wird voraussichtlich im Februar 2020 im noch jungen Buchheim Verlag erscheinen, der sich innerhalb der Horror-Szene einen guten Namen mit hochwertigen, schön bebilderten Büchern erarbeiten konnte. Vorbestellungen können bereits jetzt im Online-Shop des Festa Verlags getätigt werden. Einziger Wermutstropfen: die meiner Meinung nach verachtenswerte Limitierung (999 Stück) und der dadurch entstehende hohe Preis von rund 37 Euro für ca. 180 Seiten (darüber, dass bei Limitierungen das Sucht- und Sammelverhalten von Menschen kalkuliert ausgenutzt wird, habe ich in „Der Abo-Wahn greift um sich“ schon ausführlich geschrieben).

Über einen Sekundäreffekt von Limitierungen, der unbedingt von Verlagsbetreibern beachtet werden sollte, schrieb ich damals noch nicht. Daher hole ich das jetzt nach: Limitationen limitieren gleichzeitig die Möglichkeit, dass ein Autor einen größeren Bekanntheitsgrad erreichen kann. Wenn man sich mal vor Augen hält, was alles dazugehört, damit ein Autor sich gut verkauft, bekannt wird und über Jahre hinweg hochwertige Literatur produziert, dann erscheint es vergleichsweise einfach, eine Rakete ins All zu schießen. Eine gute Geschichte muss es sein, die viele Leser anspricht und einen gewissen Zeitgeist trifft. Werbung hilft massiv. Ein Buch muss an allen möglichen Orten aufliegen, damit möglichst viele Leute es überhaupt erst zu Gesicht bekommen. Positive Reviews müssen in großer Menge publiziert werden. Bei all dem dürfen Motivation und Kreativität des Autors nie abbrechen, denn heute gibt es einen solchen Überfluss an Veröffentlichungen, dass man sehr schnell vergessen wird. Am besten sollte eine Erzählung als Print, Ebook und Audiobook erscheinen, und wenn dann auch ein Hörspiel produziert wird … umso besser. All diese komplexen, vor allem aber über weite Strecken unberechenbaren Dinge können nicht garantieren, dass ein Roman zum Bestseller und der Autor zu einem bekannten Autor wird.

Um beim Vergleich mit der Rakete, die ins All geschossen wird, zu bleiben: Wenn ein Verlag auf Limitierungen setzt, dann ist das in etwa so, als ob man entscheidet, die Rakete nur mit halbvollem Tank zu starten. Verlage wie Festa, Edition Phantasia oder eben Buchheim sabotieren sich dabei aber nicht selbst, denn es gibt ja genügend Fans, die ihre limitierten und signierten Bücher selbst für die haarsträubendsten Preise kaufen. Sie sabotieren auf lange Sicht den Künstler. Eine winzige Auflage trägt nichts dazu bei, dass neue Leser gefunden werden können (das Geld, das ein Autor für 1000 verkaufte Exemplare erhält, ist kaum ein Monatslohn). Limitierung hilft vor allem dem Verlag und bedient den Fan. Damit mich niemand falsch versteht: Grundsätzlich schätze ich die oben genannten Verlage. Sie haben einiges in der Szene bewirkt und ich besitze zwangsläufig viele ihrer oft teuren Veröffentlichungen. Aber jedes Mal, wenn ich ein limitiertes Buch erstehe, ist da ein bitterer Nachgeschmack mit dabei. Ich muss unnötig viel Geld ausgeben, das Buch steht nach der Lektüre jahrelang im Regal und verstaubt, ich kann meinen Kumpels nicht davon erzählen, weil es längst vergriffen ist, und zu all dem geht der Großteil des Geldes nicht einmal an den Künstler, der es eigentlich verdient hätte.

Falls du, lieber Leser, Clive Barker noch nicht kennst, jetzt aber neugierig geworden bist und etwas von ihm lesen willst, dann schlage ich folgendes vor: Verzichte auf TORTURED SOULS und INFERNAL PARADE. Kaufe dir anstelle dessen die folgenden beiden Bücher von ihm: CABAL und GEWEBTE WELT als Taschenbuchausgabe der Edition Phantasia. Diese beiden Titel sind im normalen Buchhandel oder bei jedem Onlineversand erhältlich, kosten zusammen in etwa so viel wie das neue Buch mit den beiden Novellen und bieten auf über 900 Seiten unvergessliche Horrorlektüre. Und wenn du dann richtig scharf auf Barker geworden bist, besorge dir die sechs BÜCHER DES BLUTES (Kurzgeschichten), DAS HAUS DER VERSCHWUNDENEN JAHRE (zur Zeit nur antiquarisch erhältlich) und all die anderen Werke dieses Ausnahmekünstlers. Du wirst es nicht bereuen.

Meister Petz nimmt ein Bad

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Kürzlich an einem sonnigen Wochenende besuchte ich den relativ nahe gelegenen Tierpark Goldau. Tatsächlich war es so apokalyptisch heiß, dass sich sogar Meister Petz ein Bad genehmigte. Der Park öffnete 1925 seine Tore auf einem Gebiet, wo 1806 ein Bergsturz mit der unvorstellbaren Masse von 40 Millionen Kubikmeter Gestein die Dörfer Goldau, Röthen sowie Teile von Buosingen und Lauerz zerstörte – alles hübsch mysteriöse (zuweilen zungenbrecherische), aber mehr oder weniger bedeutungslose Namen. Viel bedeutungsvoller ist jedoch, was der Bergsturz anrichtete. Damaligen Zählungen zufolge wurden 457 Menschen und 323 Stück Vieh getötet, 111 Wohnhäuser, 2 Kirchen und 2 Kapellen sowie 220 Ställe und Scheunen in Schutt und Asche zerlegt oder weitaus treffender formuliert: dem Erdboden gleichgemacht. 206 Menschen gelten bis heute als vermisst und werden nach über 200 Jahren wohl auch nicht mehr auftauchen. Zudem berichteten Augenzeugen, dass eine 20 Meter hohe Flutwelle im Lauerzersee ausgelöst wurde. Was die wiederum anrichtete, kann sich jeder mit etwas Fantasie sehr gut selber ausmalen.

Von all dem Schrecken zeugen heute, 213 Jahre später, nur noch vereinzelte riesige Felsbrocken im Tierpark, die oft von dichtem Pflanzenwuchs verdeckt sind. In dieser Idylle kann der Gast sich etwa 100 heimische und europäische Tierarten ansehen und eintauchen in eine Landschaft, die richtiggehend zum Wandern einlädt. So holte ich mir denn auch viel gesunden Sauerstoff und einen weniger gesunden Sonnenbrand. Ich ärgerte mich über lautstarke Touristen, deren Verständnis von Erholung in unsagbar herrischem, durch den Park schallendem Geschrei liegt, wenn ihre Kinder gerade mal 3 Meter in Richtung eines Rehs eilen, um dieses mit riesigen Augen zu betrachten. Aber so ist es immer: des einen Staunen ist des andern Gram (ja, ihr lieben Eltern, traut euren Sprösslingen ruhig etwas mehr zu und gönnt ihnen die Freude an der Natur).

Ich kann einen Besuch im Park Goldau jedem ans Herz legen, der sich in der Gegend aufhält. Aber: Wenn es sich einrichten lässt, dann vermeidet Wochenenden und Feiertage. Das Flanieren im Park, die abenteuerliche Fütterung der Wölfe und Bären, der Genuss vom ungestörten Betrachten der Geier, Rehe und Wildschweine … Idylle entsteht erst, wenn man sich irgendwo ungestört hinsetzen und einfach Mal in Ruhe zuschauen kann, wie die Welt sich dreht und was so alles geschieht, wenn man sich mal ausklinkt.

Gedanken übers Reisen

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Eines jener Dinge, die fast alle Menschen verbinden, wir mir scheint, ist der neugierige Blick zum geographischen oder dem Erfahrungshorizont. Die Frage nach den Geheimnissen, die sich dahinter verbergen, und der Drang, eben jene Geheimnisse zu lüften, treibt uns vorwärts. Schon von Kindesalter an lockt der Wald und die Frage, was sich wohl darin verbergen mag. In urbanen Gegenden versprechen andere Stadtquartiere große Dinge von noch viel größerer Wichtigkeit. Mit dem älter werden gleitet der Blick in immer weitere Ferne, etwa in die scheinbar undurchdringliche Dichte eines Dschungels. Dort ersehnen wir uns den seltenen Anblick einer vom Aussterben bedrohten Tier- oder Pflanzenart. Hinter einer Bergkette in den Alpen vermuten wir in der Zeit stehengebliebene Dörfer, enge Bergschluchten sowie geheimnisumwitterte Seen. In der Wüste wähnt man gleich hinter dem Horizont eine idyllische Oase, an deren Wasserloch Kamele trinken. Und Gleiches gilt selbstverständlich für die Weltmeere, deren unbekannte Tiefe oder Weite mit Verheißung, sagenhaften Inseln, vielleicht Reichtum lockt. Egal, um welche Gegend es sich handelt … wir lieben die Geheimnisse und Möglichkeiten des Unbekannten. Und je abgelegener sie liegen, umso vielversprechender erscheinen sie.

Bei aller Freude am Reisen und Entdecken, muss eine Frage aber doch gestellt werden: Macht das in Anbetracht der Umweltverschmutzung, die die Fliegerei und Seereisen erzeugen, überhaupt Sinn? Können wir uns das im Hinblick auf eine gesicherte ökologische Zukunft leisten? Hier scheiden sich die Geister, es wird mit harten Bandagen gestritten, und auf den gesunden Menschenverstand wird praktisch ganz verzichtet. Die Diskussionen erinnern in ihrer Heftigkeit an die grenzenlosen Idiotien von Religions- und Veganfanatikern, denn die Wahrheit liegt wie immer irgendwo dazwischen. Alles was wir tun können, ist mit Verstand zu handeln, aber das ist nicht immer einfach.

Während Reisen in ferne Länder etwa das Verständnis für fremde Kulturen bilden, entsteht aus diesem Verständnis ein größeres Näherrücken … kulturelle Globalisierung eben, die eine solche fremde Kultur mit der Zeit verschwinden lässt. Reisen in exotische Länder lassen einen erkennen, wie viel Flora und Faune es gibt, die wir beschützen und erhalten sollten, da gewisse Pflanzen eben nur in ganz speziellen, leicht aus der Balance zu bringenden Habitaten gedeihen. Gleichzeitig fördern aber Flüge und Reisen mit Ozeandampfern die Umweltverschmutzung, die besagte Lebensräume gefährdet. Wir besteigen den Mount Everest, um einen persönlichen Horizont zu erreichen, der uns für den Rest des Lebens (hoffentlich zum Besseren) verändert. Dafür nehmen wir in kauf, dass diese gebirgige Landschaft immer mehr zur Müllhalde verkommt. Was also tun, wenn Vor- und Nachteile bestehen und diese sich vielleicht sogar die Waage halten?

An dieser Frage zerbrechen sich die Menschen die Köpfe, und selbstredend weiß auch ich keine endgültige Antwort darauf. Ohne dass dieser (ursprünglich kurz gedachte) Text jetzt ausartet, ein paar Ideen, wie ich die Sache zu handhaben versuche. Ich unternehme, so fern möglich, keine ein- oder zweitägigen Städtetrips mit Flugzeugen. Wenn ich Ferien mit dem Flugzeug mache, dann sind diese mindestens zwei Wochen lang, damit sich die Reise auch lohnt. Ich reise grundsätzlich nicht mit Ozeandampfern, obwohl mich die Idee fasziniert und lockt. Außerdem versuche ich so viel als möglich mit öffentlichen Verkehrsmitteln, zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu erledigen. Klingt banal, ich weiß … aber es sind Dinge, die ich im Alltag umsetzen kann, ohne dass in mir das Gefühl von Verlust und Frustration entsteht. Und darum geht es: Wir müsse lernen zu verzichten, auf eine Art, die uns positiv und umsetzbar erscheint.