Was uns unser Hirn erzählt

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Um es gleich vorweg zu nehmen: Die Geschichte ‚Farbenschwund‘, die ursprünglich in der ‚Vorschau‘ als Geschichte für die Anthologie ‚Die grüne Muse‘ erwähnt war, ist jetzt eine andere. Eine (noch) heimatlose. Ursache dafür ist niemand geringerer als ich selbst. Und so trug es sich zu …

Vor bald zwei Jahren (kann das wirklich schon so lange her sein?) fragte mich Alisha Bionda, ob ich Interesse hätte, einen Beitrag für oben erwähnte Antho beizusteuern. Da mir die Idee, der roten Faden, sehr gut gefiel sagte ich natürlich zu. Dann verstrich die Zeit, ich reiste, arbeitete wie bescheuert, las Buch um Buch, rannte auf der Jagd nach Weisheit im Wald herum oder ass zu viel Dessert, genoss das Leben und vergass die exakten Randbedingungen der Ausschreibung. Wie das bei mir üblich ist, überrumpelte mich eines Tages wie aus dem Nichts eine Idee, die meiner Meinung nach perfekt zur Ausschreibung passte. Ich setzte mich also hin und begann in die Tasten zu hämmern – langsam und überlegt, wie das bei mir üblich ist. Und irgendwann, vielleicht aus einem Bauchgefühl heraus, dachte ich mir, dass ich die Randbedingungen noch einmal lesen und mir vergegenwärtigen sollte. Man weiss ja nie …

Tja … ich hatte am Thema vorbei geschrieben.

Einmal mehr fand ich es erstaunlich, wie unser Hirn ganz unverfroren so genannte Erinnerungsverfälschung betreibt, um Vergangenes zu optimieren oder ergänzen. Schliesslich mögen wir alle guten Geschichten. Und was gibt es besseres, als eine gute Geschichte, in der wir selbst der Protagonist sind. Eine weitere Form verfälschter Erinnerungen sind Pseudoerinnerungen, bewusst sich selbst eingeredete Geschehnisse. Wer sich für das Thema interessiert, kann HIER gut verständliche Infos nachlesen. Was auch immer die Ursache war, möglicherweise simples Vergessen, … ‚Farbenschwund‘ passt nicht in die Antho.

Was wird nun aber aus ihr, dieser unfertigen Schöpfung? Ich werde einige Elemente ändern und eine andere Geschichte daraus machen. Glücklicherweise ist das nicht so schwierig. Nur habe ich noch keine Ahnung, wo sie enden wird. In einer anderen Antho, in einer zukünftigen Sammlung meiner eigenen Kurzgeschichten. Vielleicht für alle Ewigkeit in den Tiefen meiner Festplatte verborgen … Wir werden sehen.

Und wieder mal ein Interview …

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WamS27-12_Nostalgie-ZweckKürzlich stand ich Michael Schmidt Rede und Antwort für ein Interview. Aufhänger waren meine Beiträge für ‚Zwielicht Classic 4‘ und ‚Zwielicht 4‘, und wie jedes Mal, wenn ich Fragen zu meinem Werk und meiner Person beantworten darf, kam mir das Schildern von Ideen, gefassten Plänen und längst vergangenen Idealen einmal mehr wie eine Geschichte vor, in die ich zufälligerweise als Protagonist hineingerutscht war. Als ob die eigene Geschichte, meine Historie, plötzlich ein Roman wäre. Die erinnerten Episoden täuschend ähnlich mit dem echten gelebten Leben, aber eben doch nicht ganz. Und je mehr ich darüber nachdachte, verschwamm alles irgendwie und eine Portion Nostalgie übermannte mich. Das Wissen, dass unser Hirn uns in solchen Momenten nicht die ganze Wahrheit erzählt, ist zwar vorhanden, aber erinnern tun wir uns an eine zurechtgezimmerte, idealisierte Vergangenheit mit bevorzugt positivem Grundtenor. Aber egal, hier das Interview:

INTERVIEW

Und wieder herrscht „Zwielicht“

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Titelbild Zwielicht 4Kürzlich erschien „Zwielicht 4“ (nicht zu verwechseln mit „Zwielicht Classic 4“), und auch in dieser aktuellen Ausgabe von Michael Schmidts phantastischer Anthologienreihe ist eine Geschichte von mir enthalten. In „Am Ende eines Sommers“, so der Titel meiner Kopfgeburt, habe ich die Abgründe erforscht, die sich hinter nostalgisch verklärten Erinnerungs- und Gefühlswällen verkrochen haben. Wenn wir uns an längst Vergangenes erinnern, dann tendieren wir dazu, das Schlechte und Finstere auszusparen oder zu verdrängen. Was aber, wenn diese Dinge plötzlich zu uns zurückkehren, wenn sie uns mit der abgründigen Seite des Lebens konfrontieren und wir zwangsläufig feststellen müssen, dass hinter dieser Dunkelheit, eine noch viel schwärzere steckt? Tja, dann könnten wir ein echtes Problem haben … So wie es der Ich-Erzähler meiner Story erlebt. Im Supermarkt an der Kasse begegnet er zufällig einer alten Jugendliebe, die ihn schon damals faszinierte, die er aber nie ansprach, da sie eine Aura umgab, die ihn als Kind faszinierte aber auch auf Distanz hielt. Hier und heute, als der Erwachsene, der er ist, will er das endlich tun. Und was diese Begegnung auslöst, ist alles andere als lustig. An dieser Stelle allerdings mehr zu verraten, wäre nicht klug, also schweige ich …



Inhalt:
Vincent Voss – Rotkäppchen und Dr. Wolf (Story)
Iven Einszehn – Der Arztbesuch (Story)
Andreas Schumacher – Dr. Leinensack (Story)
Josef Helmreich – Tattoo (Story)
Dominik Grittner – Master Carvats Geheimnis Leichen verschwinden zu lassen (Story)
Carsten Zehm – Vom wahren Namen eines Baumes (Story)
Regina Schleheck – Cristal von der Post (Story)
Andreas Flögel – Der Hauch einer Berührung (Story)
Verena Gehle – Carlotta (Story)
Eric Hauser – Mein Onkel Stanislaus (Story)
Max Pechmann – Ein seltsamer, kühler Ort (Story)
Daniel Schenkel – Herr Winzig (Story)
Michael Böhnhardt – Die Flammen von Troja (Story)
Harald A. Weissen – Am Ende des Sommers (Story)
Eric Hantsch: Ein poetischer Spökenkieker (Artikel)
Daniel Neugebauer und Mirko Stauch – Weird Fiction (Artikel)
Achim Hildebrand – Algernon Blackwood (Artikel)
Michael Schmidt und Elmar Huber – Vincent Preis 2011+2012 (Artikel)
Elmar – Vincent Preis Sieger: Die Romane (Artikel)

„Eldorado“ reloaded in „Zwielicht Classic 4“

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zwielicht-classic-4Es ist ein tolles Gefühl, wenn ältere Werke so grosses Interesse wecken, dass sie wiederveröffentlicht werden. So geschehen mit „Eldorado“, meiner Kurzgeschichte um ein weisses Gemälde, ein futuristisches, finsteres Zürich und eine Droge namens „Split“, die das gedankliche Potential einer Person ins Unermessliche steigert, den User aber hoffnungs- und rettungslos in sich selbst verlieren lässt. Nach der 2008 erfolgten Erstveröffentlichung in der Anthologie ‚Phantastische Zeiten – Eldorado‘ und der kurz danach erfolgten Zweitauswertung in den ‚Andromeda Nachrichten 217‘ erblickt die Story nun also zum dritten Mal das Licht der Welt. Und zwar in Ausgabe 4 der Reihe ‚Zwielicht Classic‘, die – nebst der Hauptreihe ‚Zwielicht‘ – von Michael Schmidt herausgegeben wird. Wie immer ist das Spektrum der enthaltenen Geschichten breit und zeigt auf 185 Seiten die Vielfalt und den Ideenreichtum deutschsprachiger Phantastik. Die Anthologie ist – wie heutzutage üblich – als gedrucktes Buch sowie ebook erhältlich.





Inhalt:
Ralph Doege – Altes Muster (Story / 2010)
Vincent Voss – Zehn Meter (Story / 2011)
Andreas Gruber – Der Puppenmacher von Leipzig (Story / 2011)
Iven Einszehn – Ich bin so destruktiv (Story / 1993)
Torsten Scheib – Gute Ansätze (Story / 2008)
Arthur Gordon Wolf – Marlene? (Story / 2008)
Marcus Richter – Ein unheimlich gutes Buch (Story / 2010)
Rainer Innreiter – Emotionslos (Story / 2003)
Harald A. Weissen – Eldorado (Story / 2008)
August Apel – Der Freischütz (Story / 1811)
Michael Schmidt – A Night At The Opera (Artikel / 2010)
Michael Schmidt – Interview mit Tim Svart (Artikel / 2013)

(vom 01.10.2013) Die Ferne rief – Teil 1

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wp15e19c3d_05_06Zuweilen erscheint mir die Zeit, seit ich meinen letzten Eintrag schrieb, nicht länger als einige Momente her zu sein. Dann wird mir jäh klar, dass bereits mehr als ein Jahr vergangen ist, seit ich hier News reingetippt habe. Kann das wirklich sein? Oh ja, es kann.

Der Grund war der lange verspürte Wunsch, zu reisen – und zwar nicht nur bis zum nächsten südlich gelegenen Strand voller eingeölter Leiber, die sich in der Sonne räkeln, um innerhalb einer Woche möglichst knusprig zu werden. Ich wollte weiter weg, fort von den Menschenmassen und hin zu neuen Erfahrungen, Eindrücken und Ideen. Ich suchte Inspiration. Und die fand ich im November 2012 in Patagonien – genauer gesagt in Chile und Argentinien. Mit einer kleinen Gruppe reiste ich in einem gelben Bus namens Frankie während eines Monats durch endlos anmutende Ebenen, in denen lediglich ein wenig braunes Gras und Blumenfelder wuchsen. Ich besuchte mächtige Gletscher, erstieg Berge und sogar den aktiven, von Eis bedeckten Vulkan ’Villarrica’ (mit Steigeisen, Helm, Pickel und Thermounterwäsche!). Weiterhin sah ich Pinguine, exotische Vögel und verweste Rinder am Rande staubiger Schotterstrassen. Ich erkundete Ushuaia, die südlichst gelegene Stadt der Welt, fand herzerwärmende Gemächlichkeit in El Chalten und erlebte schliesslich nach Wochen hypnotischer Ruhe einen Kulturschock im vor Menschenmassen brodelnden Santiago de Chile.

… (to be continued)

(vom 01.06.2012) Lieber spät als nie

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wp91972be8_05_06Vor gut zwei Jahren reichte ich eine (für meine Verhältnisse) sehr schnell geschriebene, ziemlich finstere Science Fiction Story beim XUN-Magazin ein. Wegen Überlänge hiess es damals, dass nicht sicher sei, wann sie gedruckt werden würde. So verging die Zeit klammheimlich (was sie bekanntlich gerne macht), ich vergass die Geschichte komplett. Und siehe da: Vor drei Tagen erreichte mich die Nachricht von Redaktor Bernd Walter, dass es nun endlich soweit ist. „Hypothermie“ – so der Name der Dystopie – erscheint in der 28. Ausgabe des Kurzgeschichten-Magazins. Detaillierte Angaben dazu finden Sie in der Bibliographie.

Inhaltlich dreht sich die Geschichte zweier Brüder um illegale Wettkämpfe unter Telepathen, bei denen es mitunter bis zum Tod gehen kann. Je grösser der Einsatz, desto höher der Gewinn – eine einfache, mitunter fatale Formel, die jeder kennt. Handlungsort der Tragödie ist Neu Zürich, das natürlich mein geliebtes Zürich der Zukunft ist: Ein Stadtstaat in einer zerstörten Welt, in dem jeder das Glück jagt, aber nur die wenigsten es auch erlegen. Armut, Wahnsinn und Kriminalität existieren Seite an Seite mit Extravaganz gebärendem Reichtum und politischen Intrigen der hinterhältigsten Sorte. Seinen ersten Auftritt hatte Neu Zürich übrigens in der Kurzgeschichte „Eldorado“.