Die Schönheit der Dornen

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Ich gebe es zu … einen Trip nach Zürich (5 Minuten mit dem Bus, 35 mit der Bahn, danach ein Spaziergang von etwas mehr als einer halben Stunde am Seebecken entlang) als Reise zu bezeichnen ist etwas verwegen. Andererseits möchte ich aber anmerken, dass wir in einem Jahrzehnt leben, in dem Leute das Auto nehmen, wenn sie mal eben Brot oder Milch im Dorfladen um die Ecke einkaufen müssen. 10 Minuten zu fuss oder 3 Minuten mit dem Fahrrad sind eben zu grausam, als dass man dies irgend jemandem zutrauen könnte. Und damit das schlechte Gewissen noch getilgt wird, fahren die selben Leute später am Abend mit dem Auto ins Fitnessstudio, um sich dort mächtig ins Zeug zu legen. Anstelle der Treppe wird dann der Lift genommen … Ich nehme mir also ohne schlechtes Gewissen das Recht, meinen Trip als kleine Reise zu bezeichnen.

Vor einigen Jahren besuchte ich den Sukkulenten-Park auf Mallorca – angeblich der grösste Europas. Bis vor kurzem wusste ich nicht, dass es auch in Zürich einen Platz für die stacheligen, irgendwie ausserirdisch anmutenden Gewächse gibt, die mich schon immer faszinierten: die Sukkulenten-Sammlung am Mythenquai 88. Zwar ist besagte Sammlung nicht ganz so imposant wie der Park im weit entfernten Inselreich, aber sie bietet mit 6000 verschiedenen Exemplaren aus 78 Pflanzenfamilien doch mehr als genug, um sich die Zeit in sieben schwülen Gewächshäusern und einem kleinen Steingarten zu vertreiben und etwas zu lernen. Wenn man lediglich in Ruhe ein Buch lesen und etwas trinken will, kann man es sich auf einem Vorplatz auf einigen Stühlen und Bänken gemütlich machen. Der Eintritt ist erfreulicherweise frei. Über die Öffnungszeiten informiert man sich am besten online. Und wer einen Besuch wirklich in vollen Zügen geniessen will, sollte auf jeden Fall unter der Woche hingehen.

„Zwielicht 11“ erhältlich

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Gestern erreichte mich die Nachricht vom Verleger, dass die „Zwielicht“-Ausgabe mit der Nummer 11 ab sofort im Buchhandel und bei den üblichen Online-Händlern erhältich ist. Wie immer erscheint die Anthologie als hübsche Print-Version sowie als Ebook für alle Leser mit Handgelenkschwäche und/oder schlechten Augen. Greift zu und habt Spass, es sind wieder tolle, abwechslungsreiche Kurzgeschichten enthalten, die dem einen oder anderen das Grauen lehren können.

Weiterhin erhielt ich eine Information, dass die seit Jahren ersehnte und immer wieder verschobene Anthologie „Die Grüne Muse“ von Herausgeberin Alisha Bionda demnächst ebenfalls erscheint. Als kurzer Reminder: Darin enthalten sind Geschichten, in denen es um historische Persönlichkeiten aus Künstlerkreisen geht, die ihre Inspiration dem Genuss von Absinth verdanken. Mehr, wenn es soweit ist, aber es kann sich nur noch um Wochen handeln.

Dann wäre da noch die Sache mit den Ratings

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Jeder kennt sie, viele benutzen sie bewusst, und wenn Herr bzw. Frau ‚X‘ das nicht tut, dann werden sie auf jeden Fall unterbewusst bei Konsumentscheidungen von ihnen beeinflusst: Ratings. Oder auf gut Deutsch: Bewertungen. Ich schreibe hier aber nicht von professionellen Bewertungen durch Journalisten oder ausgebildetes Fachpersonal, das ein Produkt auf Herz und Nieren testet bis es förmlich in seine Bestandteile zerfällt, sondern von Privatpersonen, die ihrem persönlichen Eindruck eines Dinges mittels Sternen oder Punkten auf Plattformen wie Amazon, LovelyBooks, IMDB oder vielen anderen Form verleihen.

Dieser persönliche Eindruck (und das ist sicher allen klar) hat nur bedingt mit der wirklichen Qualität eines Buches, einer Kettensäge, eines Filmes oder einer Zahnbürste zu tun, sondern bildet das Ergebnis einer persönlichen Rechnung aus Informationen diverser Ursprünge. Sicher, einige Kriterien davon beziehen sich tatsächlich auf die eigentliche Sache – etwa die Wortgewandtheit eines Autors, die Kratzfähigkeit einer Stahlbürste, die Materialqualität und Langlebigkeit eines Werkzeugs oder die schauspielerischen Fähigkeiten eines Darstellers. Weitaus öfter als man meint, kommen aber an erster Stelle enttäuschte oder erfüllte Erwartungen mit ins Spiel der Beurteilung. Und diese verändern die Gesamtwahrnehmung maßgeblich. Das führt dann dazu, dass Produkte besser oder schlechter, auf jeden Fall aber anders, bewertet werden, als dass es eigentlich korrekt wäre.

Dass die Addition solcher persönlicher Bewertungen von mehreren Dutzend, manchmal sogar mehreren hundert Personen letztendlich kein klares Bild abgeben kann, versteht sich von selbst. Schließlich sind meine Empfindungen und Erwartungen, die ich an ein Produkt stelle, nicht die deinen. Aus diesem Grund habe ich schon vor längerer Zeit damit begonnen, in die Bewertungs-Historien von Hobby-Kritikern zu gucken, um mir anzuschauen, was Person ‚X‘ beispielsweise im ganzen letzten Jahr so gelesen hat. Je größer die Kenntnis verschiedener Kritiken von ein und demselben Menschen, desto besser die Entschlüsselung und das Verständnis einer einzelnen Bewertung. Und genau hier erlebe ich seit mehreren Monaten immer wieder aufs Neue Überraschungen.

Immer öfter nämlich stelle ich fest, dass es Menschen gibt, die Produkte ausschließlich mit dem Maximum bzw. Minimum bewerten. Also 1 oder 5 Sterne resp. 1 oder 10 Sterne … je nach Skala. Nichts dazwischen außer der Leere fehlender Zwischentöne. Die Welt dieser Leute scheint auf den ersten Blick schwarz oder weiß zu sein. Gut oder böse. Dinge sind existent oder nicht-existent, richtig oder falsch. Als gäbe es keine Abstufungen, keine Nuancen oder andere akzeptierte Perspektiven, dabei weiß doch (hoffentlich) jeder, dass alles eine endlose Ansammlung an Grautönen ist. Oft geht es in solchen Bewertung eben gar nicht darum, ein Produkt fair auf seine Stärken und Schwächen zu testen und dementsprechend zu kritisieren. Viel eher geht es darum, dass hier oftmals bewusst Manipulation betrieben wird – vor allem von Fans, die ihren Liebling auf Biegen und Brechen glorifizieren wollen. Die Konkurrenz wird dabei im gleichen Atemzug niedergemacht. Und dass das niemandem außer dem eigenen hochgewichsten Ego etwas bringt, wird selbstverständlich ignoriert.

Darum mein Appell an euch: Lasst Verstand walten und bewertet fair und detailliert. Damit helft ihr anderen Interessierten, die echte und damit nützliche Information suchen. Ein Ding kann durchaus Schwächen (sogar viele Schwächen) haben und als Gesamtprodukt immer noch verdammt viel Spaß machen.

„Eisberg Blues“ in „Zwielicht 11“

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Das Jahr ist noch jung, beginnt aber mit einer erfreulichen Nachricht: Meine Story „Eisberg Blues“ wird in der elften Ausgabe von „Zwielicht“ erscheinen. Zum exakten Erscheinungstermin gibt es bisher erst eine lose Angabe von Herausgeber Michael Schmidt, die da lautet: Anfang 2018. Gedulden wir uns also noch ein wenig und erfreuen uns an der Autorenliste, die vielversprechend klingt (siehe weiter unten). Das Cover hat einmal mehr Björn Ian Craig erstellt.

Was gibt es über „Eisberg Blues“ zu sagen bzw. zu schreiben? Nun, es war ein langer, fast einjähriger Entstehungsprozess in der Schweiz, zu Teilen in Wien und auf Teneriffa. Zwischen all diesen Orten hielt mich vor allem mein Brotjob viel zu oft vom Schreiben ab, was zu langen Pausen führte. Aber ich denke, dass sich die doch sehr kräftezehrende unregelmässige Arbeit gelohnt hat, behandelt die Geschichte doch fast das ganze Leben des Protagonisten, der über die oft seltsamen Wege, die das Leben eben manchmal einschlägt, in okkulte Gefilde abdriftet, um zu guter letzt auf einem Eisberg zu landen. Dort begegnet er … aber HALT! Das könnt ihr selber lesen.



Inhalt Geschichten:
Thomas Stumpf – Der Mann, der Jimmy Page kannte
Abel Inkun – Die Essenz der Veronesen
Gordon James McBane – The Hanky Panky Girl
Leander Milbrecht – Phelesto
Markus K. Korb – 80 Grad
Carmen Maria Machado – Abstieg
Karin Reddemann – Das samtrote Sofa
David Wright O’Brien – Ausstrahlung
Max Pechmann – Ein Porträt von Shirley Love
Manuel Otto Bendrin – Der perfekte Moment
Matthias Schulz – Beschreibung einer norwegischen Spezies von Theraphosidae sowie den mysteriösen Ereignissen im Rahmen ihrer Untersuchung
Lea Reiff – Adze
Harald A. Weissen – Eisberg Blues
Algernon Blackwood – Der Blutweiher
David Wright O’Brien – Ausstrahlung

Inhalt Artikel:
Matthias Kaether – Museum des Wundervollen
Ralf Steinberg – Das Durchdrehen der Schraube

Verzögerung für Skinner

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Heute in aller Kürze: Wegen Problemen mit dem Cover, verzögert sich die Neuauflage von ‚Begegnung mit Skinner‘ bis ca. März 2018. An dieser Stelle möchte ich mich bei den Lesern entschuldigen, die schon darauf gewartet haben. Habt noch etwas Geduld … der Roman kommt. Und wenn ihr euch die Wartezeit mit einem wirklich hervorragenden Buch versüssen wollt, lege ich euch dringend ‚Ich und die anderen‘ von Matt Ruff ans Herz. Der Mann ist eine Granate!

Nur etwa 10 Jahre Pause

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Wahrscheinlich kann jeder Autor, Literat oder Hobbyschreiber (wahrscheinlich sogar Songtexter) ein Lied davon singen, wenn es um Geschichten geht, bei denen er oder sie plötzlich ins erzählerische Stolpern gerät, hart auf die Schnauze knallt und einfach nicht mehr hochkommt. Ja, es gibt sie wirklich, diese legendären Geschichten, die plötzlich nirgendwo mehr hingehen, die sich nicht mehr richtig fassen lassen, als wären sie ein glitschiger Aal, der einem ständig aus den Händen flutscht. Kürzlich beim Durchforsten einer meiner Festplatten bin ich auf ein solches Storyfragment gestossen, an dem ich vor sage und schreibe 10 Jahren das letzte Mal gearbeitet habe. Ein Text, von dem ich mir damals auf den ersten Seiten Grosses versprach, der dann aber wie ein altersschwacher Gaul lahmte und nicht mehr vom Fleck kam.

Was kann man tun? Ich kenne persönlich einige Autoren, die plotten, die also die ganze Geschichte ausarbeiten, noch bevor sie das erste Wort geschrieben haben (das ist nicht mein Ding, no Sir). Das führt dann oftmals zu Kurzgeschichten oder Romanen, bei denen sich während dem Lesen der Eindruck einschleicht, dass viele Aspekte davon erzwungen und unglaubhaft wirken. Persönlich spreche ich hierbei von organischer oder eben nicht organischer Entwicklung. Man kann sich das ein wenig so vorstellen, als ob man den vorher erwähnten altersschwachen Gaul mit der Reitgerte hart ran nimmt und ihn sozusagen vorwärts in Richtung Stall prügelt. Und ja, der Gaul wird in den meisten Fällen dort ankommen, aber er wird am Ende auch ziemlich kaputt sein. Das andere Extrem ist es, den Gaul liebevoll zu streicheln und ihm gut zuzureden, aber auch das funktioniert in den meisten Fällen nicht, ist der Gaul doch längst so erschöpft, dass er sich wirklich nur noch hinlegen und nicht mehr bewegen will. Es empfiehlt sich also, die richtige Möhre zu finden, die man dem Tier vor die Nase hängen kann, damit es von sich aus zurück in den heimischen Stall will. Und eine solche Ideen-Möhre habe ich zufällig gefunden, als ich besagtes alte Textfragment durchlas. Manchmal braucht es eben bloss ein wenig Geduld, die Story kommt wieder auf die Beine, und die Sache wird gut.

Inhaltlich dreht sich die Geschichte (Titel: „Als es regnete“) um einen Videotheken-Mitarbeiter, der eine eigenartige Begegnung mit einer noch viel eigenartigeren jungen Frau hat. Nur bleibt es nicht dabei, wird er doch durch die Begegnung in eine grössere Sache verwickelt, die ihn sprichwörtlich unter die Erde bringt. Aber nicht ins Grab, sondern in ein Höhlensystem, in dem Politiker aus Zürich und dem Rest der Schweiz ihren Trieben freien Lauf lassen und mit garstigen Mächten spielen, mit denen man nicht spielen sollte.

Mal gucken, wie schnell der Gaul in den Stall trabt. Ich halte euch auf dem laufenden.