The Beastmaster zeigt noch immer Zähne

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In einem Rausch von Nostalgie erwarb ich kürzlich die Blu-Ray von „The Beastmaster“ (1982), einem Fantasyfilm, der in der Welle der Barbarenfilme der 1980er Jahre produziert wurde. Regie führte kein geringerer als Don Coscarelli, der sich zuvor mit „Phantasm“ (1979) und einiges später mit „Bubba Ho-Tep“ (2002) ins Herzen der Horrorfans filmte. „The Beastmaster“ aber stellt für mich persönlich seit meiner Jugend das Highlight in Coscarellis Schaffen dar. Nur wurde mir plötzlich bewusst, dass seit der letzten Sichtung des Films gut und gerne 25 Jahre vergangen waren. Wie war ich also gespannt, zumal ich in letzter Zeit des öfteren die unschöne Feststellung machen musste, dass nostalgische Verklärung oftmals ein Problem darstellt und frühere Lieblingsfilme plötzlich flach und in etwa so lahm wie ein altersschwacher, halbblinder Gaul daherstolpern. Um die Sache noch verworrener zu machen, gibt es aber auch die Fälle, in denen man einen vor Jahren gesehenen Film plötzlich als so viel tiefsinniger erachtet. Eine Band klingt inspirierter als noch vor 17 Jahren. Ein in der Jugend gelesenes Buch, das damals ganz unterhaltsam war, entpuppt sich zwei Dekaden später als inspirierender Meilenstein der Literatur. Warum nur verändert sich unsere Einschätzung ein und der selben Sache andauernd?

Grund hierfür ist (und das sollte niemanden überraschen), dass wir selbst uns im Laufe der Jahre verändern. Unsere sozialen Kontakte, unsere Freizeitbeschäftigungen sowie die Arbeit, persönliche Erlebnisse im In- und Ausland, Erfolge wie Misserfolge, traumatische Konflikte, Heirat, Kinder, der ungeliebte Militärdienst, Todesfälle und Krankheiten, der nicht immer tolle aber natürliche Prozess des Alterns … schlicht alles beeinflusst und verändert uns Tag für Tag. Natürlich fühlt sich das für uns nicht so an, weil unser Hirn aus unserem Leben und allen Geschehnissen (auch den zufälligen) eine Geschichte zimmert, die ein großes Narrativ (unsere Identität) zusammenhält. Nur dass es dieses Narrativ in einer festen, stets gleichbleibenden Form nicht gibt. Trotzdem ermöglicht diese Funktionsweise des Gehirns, dass wir Dingen einen Sinn verleihen können, dass wir das Konzept von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verstehen und fähig sind, über den Tellerrand zu blicken. Aber ich schweife ab und möchte nicht weiter auf dieses wirklich sehr komplexe, spannende Thema eingehen. Wer sich für Identitätsbildung interessiert, dem lege ich uneingeschränkt das Sachbuch „Und ich?“ von Paul Verhaeghe ans Herz. Es ist in vielerlei Hinsicht ein Augenöffner. Jetzt aber zurück zum Film. Disc einlegen. Starttaste drücken …

Was haben ein Adler, zwei diebische Frettchen und ein schwarzer Tiger (ein regulärer Tiger, der für die Dreharbeiten schwarz angepinselt wurde) gemeinsam? Richtig … sie sind die Freunde von Dar (Marc Singer), dem Herrn der Tiere oder eben Beastmaster. Er ist der unbekannte Sohn von König Zed, welcher einst sein Königreich von schwarzer Magie säubern wollte. Wenn das Gute den Besen schwingt, dann führt das dazu, dass das Böse die Zähne fletscht. Und so erleben wir, wie der garstige und ständig mies gelaunte Hohepriester Maax (Rip Torn) den alten König gefangen nehmen, blenden und in einen feuchten Kerker werfen lässt.

Dar indes wächst in einem idyllischen Bauerndorf auf, lernt während vieler Jahre den Umgang mit dem Schwert, posiert immer mal wieder mit muskulös geschwellter Brust und findet nebenbei heraus, dass er über eine spezielle Begabung verfügt: er kann mit Tieren kommunizieren. Als eines Tages die Juns, eine brutale Horde reitender Krieger, die mit Hohepriester Maax verbündet sind, das Dorf niederbrennt, macht sich Dar auf den steinigen Pfad der Rache. Nebst seinen tierischen Freunden trifft er auf die wunderschöne Tempelsklavin Kiri (Tanya Roberts), in die er sich verguckt, und er lernt den dunkelhäutigen Krieger Seth und den jungen Tal kennen, die ebenfalls eine gesalzene Rechnung mit dem Schlingel Maax offen haben.

Der alte König, auch nicht gerade ein Ausbund an Freundlichkeit, wird aus seiner langjährigen Gefangenschaft befreit. Das führt zu familiären Konflikten, bösen Worten und Beleidigungen unter der Gürtellinie. Und schließlich finden sich alle zum Finale in der Stadt des Königs ein, wo Maax zum Zeitvertreib immer mal wieder von einer Tempelpyramide kleine Kinder in ein Feuer wirft … was man eben so macht, wenn man sich mit schwarzer Magie befasst. Das alles rettet Maax aber nicht vor Dars Rache, er landet selber in den Flammen, und damit die Sache auch wirklich ein für alle Mal ausgestanden ist, wird den Juns, diesen reitenden Scheißkerlen, in einer beeindruckenden Schlacht ebenfalls der Garaus gemacht.

Um nicht lange um den heißen Brei herumzureden … ich liebe den Film mehr denn je. Ja, die Geschichte ist einfach gestrickt und nicht sonderlich kreativ. Ja, die Spezialeffekte sind billig und problemlos zu entlarven. Ja, es ist der alte Kampf zwischen Gut und Böse, in dem das Gute unbedingt gewinnen muss. Aber „The Beastmaster“ hat etwas, das vielen modernen Filmen fehlt: er hat ein Herz, und das ist so groß wie ein Wolkenkratzer. Der Held Dar, verströmt Charme, Mut und Schmiss, ist stark und tapfer, darf aber auch mal weinen. Seine Fähigkeit, mit Tieren zu kommunizieren, klingt wie ein naiver Kindertraum, passt aber zu Dar und seiner Aufrichtigkeit. Die Tempelsklavin Kiri ist zwar eine Augenweide und zeigt nackte Haut, trotzdem symbolisiert sie mehr als nur die Lust am Fleisch. Maax ist übertrieben böse, doch seine Absichten wirken echt und motiviert. „The Beastmaster“ funktioniert so gut, weil er unprätentiös ist und gar nicht erst versucht, mehr zu sein, als er ist. Seine Figuren sind im Kern allesamt Menschen mit menschlichen Bedürfnissen. Ich nehme ihnen ganz einfach ab, nach was sie sich sehnen und was sie erleben. Und das ist es, was so vielen Filmen und Büchern fehlt: Charaktere, denen man glaubt, ja sogar glauben will.

Von mir erhält „The Beastmaster“ das Gütesiegel. Wenn ihr den Film in eurer Kindheit oder Jugend mochtet, dann schaut ihn euch ruhig auch als erwachsene Person noch einmal an. Und wenn ihr ihn noch nicht kennt, dann gebt ihm eine Chance. Ich bin der Meinung, dass er es mehr als wert ist.

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